Dynamische Mitarbeiterfuehrung Furtner
Dynamische Mitarbeiterführung – Achtsam und flexibel Führungssituationen meistern
Marco Furtner
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Marco Furtner
Dynamische
Mitarbeiterführung
Achtsam und flexibel
Führungssituationen meistern
essentials
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Marco Furtner
Dynamische
Mitarbeiterführung
Achtsam und flexibel
Führungssituationen meistern
Marco Furtner
Institut für Psychologie
Universität Innsbruck
Innsbruck, Österreich
ISSN 2197-6708
ISSN 2197-6716 (electronic)
essentials
ISBN 978-3-658-17194-0
ISBN 978-3-658-17195-7 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-658-17195-7
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• Eine grundlegende Beschreibung von Mindfulness als Basis für die dynami-
sche Mitarbeiterführung
• Eine Einführung in die Funktionsweise der dynamischen Mitarbeiterführung
• Dynamische Mitarbeiterführung als Führungsansatz, welcher viele unterschied-
liche und situationsangemessene Formen des Führungsverhaltens beschreibt
• Darlegung der situativen Vorzüge verschiedener Formen von Führungsverhalten
Was Sie in diesem essential finden können
VII
Das vorliegende Buch repräsentiert den dritten Teil einer Führungstetralogie,
welche vom Autor in der essentials-Reihe vom Springer Gabler Verlag erscheint.
Dynamische Mitarbeiterführung beschreibt das Gegenteil von einer rigiden Füh-
rungskraft, welche in allen Situationen dasselbe starre Führungsverhalten zeigt.
Eine moderne Führungskraft verfügt über ein breites Spektrum von unterschied-
lichen Arten des Führungsverhaltens. Sie versteht es auf flexible Art und Weise,
ihr Führungsverhalten jeweils angemessen an bestimmte Situationen anzupas-
sen. Hierfür benötigt die Führungskraft ein bestimmtes Ausmaß an Mindfulness
(Achtsamkeit), damit sie sich fortlaufend ihrer selbst, ihrer Umwelt und der
jeweiligen Führungssituation bewusst ist. Dadurch kann sie rasch und flexibel
auf sich verändernde Umweltbedingungen reagieren und ihr Führungsverhalten
anpassen. Im ersten Buch „Effektivität der transformationalen Führung“ und im
zweiten Buch „Empowering Leadership“ werden zwei sehr effektive Formen von
Führungsverhalten beschrieben, welche im besonderen Ausmaß die Leistung,
die Kreativität und die Innovation fördern. Im vierten Buch „Dark Leadership“
erfolgt die Beschreibung der bislang noch relativ jungen „dunklen“ Führung.
Sowohl die narzisstische, machiavellistische als auch psychopathische Führung
werden dargestellt.
Innsbruck, Österreich
im Herbst 2016
Vorwort
Marco Furtner
IX
1 Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1
2 Mindfulness: Basis für die dynamische Mitarbeiterführung. . . . . . . .
3
3 Dynamische Mitarbeiterführung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7
3.1 Einführung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7
3.2 Direktives Führungsverhalten: Befehle und Disziplin. . . . . . . . . . . . 12
3.3 Transaktionales Führungsverhalten: Leistung
und Gegenleistung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.4 Transformationales Führungsverhalten: Visionen
und Inspiration. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
3.5 Empowering Leadership: Autonomie und Innovation. . . . . . . . . . . . 21
3.6 Passiv-vermeidendes Führungsverhalten: Kontrolle
und Nonleadership. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4 Konklusion. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Literatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
Wenn wir uns mit effektiver und „guter“ Führung beschäftigen, begeben wir uns
zu Beginn häufig auf die Suche nach einem optimalen („besten“) Führungsverhal-
ten, welches in allen Situationen zum Erfolg führen soll (z. B. transformationale
Führung) oder wir fokussieren uns ausschließlich auf wichtige Teilaspekte von
Führung (z. B. Kommunikation, Vertrauen, authentische und ethische Führung).
Dadurch können wir zwar die Komplexität reduzieren, verlieren jedoch den ganz-
heitlichen Blick auf das vielschichtige Thema Führung. Sogar der einflussreichste
Führungsansatz der vergangenen Jahrzehnte (das Full Range Leadership-Modell;
Bass und Avolio 1990) wird dahin gehend kritisiert, dass er sich mit einer zu
vereinfachten Darstellung dem komplexen Thema Führung nähert (z. B. Pearce
2007; Yukl 1998). Da die äußeren Umstände die Komplexität von Führung stark
erhöhen und die bislang beschriebenen situativen Führungsansätze als zu „intu-
itiv“ und empirisch wenig belegt gelten, wird der Führungskontext häufig zu
wenig berücksichtigt. Situative Führungsansätze (z. B. Kontingenzmodell von
Fiedler) versuchen, die dynamische Komplexität des Führungsalltages zu berück-
sichtigen, scheitern jedoch bislang an der empirischen Umsetzung. Dennoch
nimmt die Situation im Führungsalltag eine wichtige Rolle ein: Sims et al. (2009)
bringen es auf den Punkt, indem sie folgende Frage in den Raum stellen: „What
style of leadership is best?“ Und sich sogleich die Antwort geben: „It depends
on the situation!“ In der Führungsliteratur existieren immer wieder Ansätze, die
unterschiedlichen Arten von Führungsverhalten mit spezifischen Situationen
in Verbindung zu bringen (Houghton und Yoho 2005; Sims et al. 2009). Aktu-
ellste Studien zeigen, dass Führungskräfte ihr Führungsverhalten sowohl täglich
als auch wöchentlich variieren können (z. B. Breevaart et al. 2014). Der Füh-
rungsalltag ist sehr komplex und es existiert demnach nicht nur ein ideales Füh-
rungsverhalten. Dynamische Mitarbeiterführung verknüpft die jahrzehntelange
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© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017
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2
1 Einleitung
Forschung zu den unterschiedlichen Arten des Führungsverhaltens (z. B. direk-
tive, transaktionale, transformationale und ermächtigende Führung) und zeigt auf,
wie eine effektive Führungskraft in spezifischen Situationen ihr Führungsver-
halten verändert und ein entsprechend passendes Führungsverhalten zeigt. Eine
dynamische und flexible Führungskraft zeigt eine höhere Achtsamkeit für sich
selbst, ihre Geführten sowie bestimmte Führungssituationen und passt ihr Füh-
rungsverhalten jeweils an. Mindfulness (Achtsamkeit) unterstützt diesen Prozess
und dient als wichtige Basis für dynamisches Führungsverhalten. Eine achtsame
Führungskraft nimmt jeden einzelnen Moment sehr bewusst wahr, zeichnet sich
durch eine sehr hohe Reflexions- sowie Lernfähigkeit aus und kann sich selbst,
ihre Geführten und Situationen richtig einschätzen und ihr Führungsverhalten
entsprechend anpassen.
In Kap. 2 wird mit Mindfulness eine zentrale Grundlage für die dynamische
Mitarbeiterführung beschrieben. In Kap. 3 erfolgt zunächst eine Einführung in
den Grundgedanken zur dynamischen Mitarbeiterführung und in weiterer Folge
werden die verschiedenen Arten des Führungsverhaltens beschrieben: 1) Direk-
tive und aversive Führung, 2) transaktionale Führung: Contingent Reward, 3)
transformationale Führung, 4) Empowering Leadership und 5) passiv-vermei-
dende Führung: kontrollierendes Führungsverhalten (aktives Management by
Exception – MBE) und die beiden passiven Formen von Führungsverhalten (pas-
sives Management by Exception – MBE und Laissez-faire). Mit Ausnahme der
beiden letztgenannten passivsten Arten des Führungsverhaltens werden die Vor-
züge des jeweiligen Führungsverhaltens für bestimmte situative Umstände (z. B.
Dringlichkeit, Art der Aufgabe, Geführte) beschrieben. In Kap. 4 erfolgt ein
Überblick zur strategischen Auswahl der unterschiedlichen Arten des Führungs-
verhaltens in den entsprechenden Situationen und eine Einteilung in verschie-
dene Gruppen (Gruppe 1: aufgabenbezogen/autoritär: direktive, kontrollierende
(aktives MBE) und aversive Führung; Gruppe 2: aufgabenbezogen/transaktional:
transaktionale Führung (Contingent Reward); Gruppe 3: mitarbeiterbezogen/
demokratisch: transformationale und ermächtigende Führung).
3
Mindfulness: Basis für die dynamische
Mitarbeiterführung
Mindfulness ist die absichtsvolle (zielorientierte) und nicht-bewertende Beobach-
tung aller Erfahrungen im gegenwärtigen Moment. Achtsam zu führen bedeutet,
eine aufmerksame Haltung einzunehmen und im Hier und Jetzt zu führen. Eine
achtsame Führungskraft beobachtet fortlaufend alle inneren (z. B. Gedanken,
Emotionen) und äußeren Prozesse (z. B. Bedürfnisse der Mitarbeiter und der
Organisation). Dadurch erlangt die Führungskraft Macht, Wissen und Kontrolle
sowohl über ihre Innen- als auch Außenwelt. Achtsame Führungskräfte sind sich
im gegenwärtigen Moment all ihrer Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen
bewusst und nehmen eine fortlaufend aufmerksame Haltung ein. Sie nehmen ver-
mehrt eine (dezentralisierte) Beobachterperspektive ein, agieren als relativ unbe-
teiligte Beobachter und entwickeln einen „Helikopterblick“ für sich selbst, das
Führungsverhalten, die Bedürfnisse der Geführten und die situativen Umstände
der Organisation. Dadurch erlangen achtsame Führungskräfte eine sehr hohe
Flexibilität bezüglich ihres Führungsverhaltens. Sie lernen, dass die Effektivität
eines bestimmten Führungsverhaltens von der Situation (z. B. Motivation und
Erfahrung der Geführten) abhängig ist.
In der Führungsrealität existiert nicht nur ein einziges optimales oder „per-
fektes“ Führungsverhalten, welches immer zum Führungserfolg beiträgt (Sims
et al. 2009). Demnach gibt es kein „Patentrezept“ für effektives Führungsverhal-
ten. Im Führungsalltag muss eine Führungskraft lernen, ihr Führungsverhalten zu
variieren. In einer bestimmten Situation formuliert sie mitreißende Visionen und
begeistert ihre Geführten, zu einem anderen Zeitpunkt ist sie streng, kontrollie-
rend und zeigt sich durchsetzungskräftig. In einer weiteren Situation vereinbart
sie gemeinsam mit ihren Geführten Ziele, welche in einem bestimmten Zeit-
raum erreicht werden sollen. In bestimmten Momenten zeigt die Führungskraft
ihre einfühlsame und herzliche Seite. Ein weiteres Mal teilt sie sich die Macht
sowie das Wissen mit ihren Geführten und gewährt den nötigen Freiraum zur
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2 Mindfulness: Basis für die dynamische Mitarbeiterführung
Förderung von Kreativität und Innovation. Im Führungsalltag muss eine effektive
und reflexive Führungskraft erkennen, welches Führungsverhalten in der jeweili-
gen Situation wirksam ist und zum Führungserfolg beiträgt. Eine achtsame Füh-
rungskraft lernt, wie sie sich selbst und ihr Umfeld fortlaufend beobachtet und im
gegebenen Moment rasch und flexibel ein passendes Führungsverhalten einsetzt.
Im Rahmen der dynamischen Mitarbeiterführung ist Mindfulness demnach eine
zentrale Basis, da es sowohl die Lern- und Reflexionsfähigkeit der Führungskraft
für bestimmte Führungssituationen steigert als auch dazu beiträgt, dass eine Füh-
rungskraft rasch ihr Führungsverhalten an die jeweilige Situation anpassen kann.
Zudem muss eine Führungskraft darauf achten, dass sie ein authentisches Verhal-
ten zeigt. Das heißt, dass ihre Gedanken, Worte und Taten übereinstimmen und
sie als glaubwürdig wahrgenommen wird.
Führungskraft und Schauspieler: Variation des Führungs- und
Rollenverhaltens
Analog zu einer achtsamen Führungskraft, welche ihr Führungsverhalten fle-
xibel an verschiedene Situationen anpasst, müssen auch „gute“ Schauspieler
ihr Verhalten an unterschiedliche Rollen und Situationen in Einklang brin-
gen. Was zeichnet gute Schauspieler aus? Sie sollten ihre Rollen authentisch,
das heißt natürlich und glaubwürdig vermitteln. Am Beispiel der berühmten
Schauspielmethode des „Method Acting“ von Lee Strasberg wird deutlich,
wie persönliche Erfahrungen dazu genutzt werden, um der aktuellen Rol-
lensituation so nahe wie möglich zu kommen. Schauspieler integrieren ihre
emotionalen Erlebnisse und identifizieren sich zu 100 % mit ihrer jeweiligen
Rolle. Dadurch wirken sie natürlich und authentisch. Die Oscar-Preisträger
Al Pacino, Dustin Hoffmann, Robert De Niro und Daniel Day-Lewis sind
berühmte Schauspieler nach der Method-Acting-Methode. Übertragen auf den
Führungskontext zeigt sich, wie wichtig es für eine effektive Führungskraft ist,
einerseits unterschiedliche Arten des Führungsverhaltens zu zeigen, sich mit
diesen zu identifizieren und authentisch zu bleiben. Sowohl Schauspieler als
auch Führungskräfte, welche ihre Rolle oder ein bestimmtes Führungsverhal-
ten lediglich „drehbuchmäßig“ nachahmen und sich nicht zu 100 % mit ihrer
(Führungs-)Rolle identifizieren, werden als wenig natürlich und authentisch
wahrgenommen. Dies mindert wiederum den schauspielerischen Erfolg oder
den Führungserfolg.
In ihrem Buch „Resonant Leadership“ stellen sich Boyatzis und McKee (2005)
die Frage, ob Mindfulness einen Platz in der Management- und Führungslitera-
tur haben sollte. Die Autoren bejahen diese Frage enthusiastisch. Aus ihrer Sicht
5
2 Mindfulness: Basis für die dynamische Mitarbeiterführung
stellt Mindfulness die praktische Anwendung von Selbstbewusstheit, Selbstma-
nagement und sozialer Bewusstheit dar. Eine achtsame Führungskraft entwickelt
zugleich die Fähigkeiten zu einer höheren Selbstregulation und -kontrolle sowie
emotionalen Intelligenz (Brown und Ryan 2003; McKee und Massimilian 2006).
Mindfulness steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung einer höheren
Authentizität von Führungskräften: Nach Bill George (2012), Professor an der
Harvard Business School, verhilft „Mindful Leadership“ zu einer höheren Selbst-
kontrolle und Emotionsregulation, insbesondere in stressreichen Situationen.
Achtsame Führungskräfte sind sich ihrer gegenwärtigen Gedanken sowie Gefühle
bewusst und wissen, welche Auswirkungen ihr Führungsverhalten auf andere
Menschen ausübt. Nach dem Motto „Slow down to speed up“ sollten Führungs-
kräfte in ihrem Alltag zuerst ihre Gedanken und ihren Geist (Mind) beruhigen,
damit sie sich dann wieder mehr auf ihre wesentlichen (Langzeit-)Ziele fokussie-
ren können (George 2012; McKee und Massimilian 2006). Ein wichtiges Mittel
hierfür sind spezifische Achtsamkeitsübungen.
Achtsamkeitsbasierte Übungen und Trainings (z. B. Mindfulness Based Stress
Reduction, MBSR) zeigen eine Vielzahl von positiven Auswirkungen auf die psy-
chische und physische Gesundheit sowie die kognitive Leistungsfähigkeit:
• Reduktion von Angst, Stress, Depression und Burn-out (Khoury et al. 2015)
• Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Gedächtnisses (Quach
et al. 2016)
• Stärkung der Immunabwehr (Black und Slavich 2016)
• Erhöhung der Lebensqualität (Gotink et al. 2015; Khoury et al. 2015)
• Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit (Gotink et al. 2015)
• Verbesserung der Emotionsregulation und -kontrolle (Teper et al. 2013)
• Positive Veränderung der Gehirnstruktur (z. B. präfrontaler Cortex für eine
stärkere Selbstkontrolle und Hippocampus für bessere Erinnerungsleistungen;
Fox et al. 2014)
Werden die jahrzehntelangen Studienergebnisse aus der klinischen und neurowis-
senschaftlichen Forschung auf den Führungskontext übertragen, dann kann dar-
aus gefolgert werden, dass eine achtsame Führungskraft sowohl über eine höhere
psychische und physische Gesundheit verfügt, besser mit stressbedingten Zustän-
den umgehen kann und auch eine höhere körperliche und geistige Leistungsfä-
higkeit aufweist. In der Interaktion mit ihren Geführten kann sie sich selbst und
ihre Emotionen besser kontrollieren und beeinflussen. Demnach kann Mindfulness
nicht nur im Rahmen der dynamischen Mitarbeiterführung (höhere Bewusstheit
und Flexibilität bezüglich unterschiedlicher Arten des Führungsverhaltens) einen
6
2 Mindfulness: Basis für die dynamische Mitarbeiterführung
Mehrwert liefern, sondern hat positive Effekte auf die geistige sowie körperliche
Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Führungskräfte. Dennoch hat die Füh-
rungsforschung das Potenzial von Mindfulness erst entdeckt und wissenschaftliche
Studien zu den Beziehungen zwischen Mindfulness und Leadership sind noch sehr
überschaubar. Die positiven Effekte auf die Selbst- und Emotionsregulation lassen
erwarten, dass sich Mindfulness als wichtiges Basiskonzept für Leadership etablie-
ren wird. In einer der ersten Studien, welche die Bedeutsamkeit von Mindfulness
als psychologische Ressource für Führungskräfte betont, überprüften Roche et al.
(2014) an insgesamt vier Stichproben (Top-Management, mittleres Management,
unteres Management und Unternehmer) die Beziehungen zwischen Mindfulness
und dem Wohlbefinden der Führungskräfte. In allen Stichproben zeigten achtsame
Führungskräfte geringere Ausprägungen bezüglich Angst, Depression, negativen
Gefühlen und Burn-out (emotionale Erschöpfung). Das heißt, achtsame Führungs-
kräfte können negativen arbeits- und stressbedingten Folgeeffekten (z. B. Ängste,
Burn-out) vorbeugen. Auf Basis der Studienergebnisse kann gefolgert werden,
dass Mindfulness eine wichtige Ressource für Führungskräfte sein kann, um
sowohl deren Wohlbefinden, Widerstandsfähigkeit als auch Ausdauer in dynami-
schen und herausfordernden Umwelten zu erhöhen. Achtsame Führungskräfte ver-
fügen nicht nur selbst über ein erhöhtes Wohlbefinden, sie haben zudem Einfluss
auf das Wohlbefinden und die Leistung ihrer Geführten: In zwei Studien konnten
Reb et al. (2014) positive Beziehungen zwischen der Achtsamkeit der Führungs-
kraft und dem Wohlbefinden sowie der Arbeitsleistung der Geführten nachwei-
sen. Wie lassen sich die positiven Effekte einer achtsamen Führungskraft auf ihre
Geführten erklären? Reb et al. (2014) sehen eine Verbindung von Mindfulness zur
authentischen Führung. Für Avolio et al. (2004) benötigen authentische Führungs-
kräfte ein höheres Gewahrsein über sich selbst, über andere Menschen und über
den Kontext. Mindfulness wird als zentrale Grundvoraussetzung für eine authen-
tische Führungskraft gesehen (Gardner et al. 2005). Im Rahmen der dynamischen
Mitarbeiterführung ist Mindfulness demnach von zweifach zentralem Nutzen:
1. Höhere Bewusstheit: Eine Führungskraft, welche ihr Führungsverhalten ange-
messen an die jeweiligen Situationen anpasst, muss sich ihrer selbst, ihrer
Geführten und der Situation gewahr sein.
2. Höhere Authentizität und Flexibilität: Ein spontaner und häufiger Wechsel des
Führungsverhaltens soll nicht dazu führen, dass die Führungskraft „künstlich“
wirkt. Mindfulness als zentrale Basis für die authentische Führung ist hierfür
ein nützliches Mittel, damit die dynamische Führungskraft, welche ihr Füh-
rungsverhalten flexibel an die jeweilige Situation anpasst, von ihren Geführten
als authentisch wahrgenommen wird.
7
Dynamische Mitarbeiterführung
3.1
Einführung
Effektive Führungskräfte können ihr Führungsverhalten an die Bedürfnisse ihrer
Mitarbeiter und die jeweilige Situation anpassen. Sie verfügen über eine breite
Palette von unterschiedlichen Arten des Führungsverhaltens und verstehen es,
diese gezielt einzusetzen. Hingegen würde eine sehr starre und rigide Führungs-
kraft fortlaufend nur ein bestimmtes Führungsverhalten zeigen. In diesem Fall
könnte von einem relativ stabilen und inflexiblen Führungsstil gesprochen wer-
den, welcher im nachfolgenden Beispiel dargestellt wird.
Rigider Führungsstil am Beispiel einer autoritären und „tyrannischen“
Führung
Ein besonders eindrückliches und zugleich tragisches Beispiel für einen
autoritären und tyrannischen Führungsstil zeigt sich in dem mit fünf Oscars
prämierten Film „American Beauty“ an der Person des gefühlskalten US-
Marines-Oberst Frank Fitts. Die absolute Identifikation mit einem autoritär-
militärischen Führungsstil zeigt ihre Auswirkungen nicht nur im Berufs-,
sondern auch im Privatleben. Während seine unterdrückte und eingeschüch-
terte Ehefrau einen schwer depressiven Eindruck vermittelt, spricht ihn sowohl
seine Frau als auch sein Sohn, welcher nach einem Disput mit seinem Vater
die Familie verlässt, förmlich mit „Sir“ an. Fitts tyrannisiert seine Frau, seinen
Sohn und führt ein „Regime“ der absoluten Disziplin und Kontrolle. Oberst
Frank Fitts stellt ein bemerkenswertes Beispiel für einen autoritär-tyranni-
schen Führungsstil dar, welches durch seine Rigidität und absolute Rolleni-
dentifikation kaum mehr zu überbieten ist.
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3 Dynamische Mitarbeiterführung
Im Führungsalltag ist selten ein bestimmtes Führungsverhalten (unter sich ver-
ändernden Umweltbedingungen) allein erfolgsversprechend. Situative Füh-
rungstheorien greifen diesen Gedanken auf und nehmen an, dass ein bestimmtes
Führungsverhalten in einer spezifischen Situation effektiv und wiederum in einer
anderen Situation ineffektiv sein kann. Der situative Führungsansatz von Her-
sey und Blanchard (1982) beispielsweise geht davon aus, dass der Führungsstil
(beziehungs- versus aufgabenbezogenes Führungsverhalten) an die „Reife“ (eine
Kombination aus der Motivation, Verpflichtung und Kompetenz) der Geführten
angepasst werden sollte. Weisen die Geführten nur eine geringe Reife auf, dann
sollten die Führungskräfte ein stärker aufgabenbezogenes Führungsverhalten
zeigen. Nimmt die Reife der Geführten zu (= höhere Motivation und Kompe-
tenz), dann sollte stärker ein beziehungsbezogenes Führungsverhalten demonst-
riert werden. Der Grad der „Reife“ kann auch mit dem Begriff „Self-direction“
(Selbstgerichtetheit, Self-Leadership) umschrieben werden (Thompson und Vec-
chio 2009). Houghton und Yoho (2005) übernehmen diesen Gedanken aus dem
situativen Führungsansatz und gehen davon aus, dass mit höheren Self-Leader-
ship-Fähigkeiten der Geführten ein gesteigertes Autonomiebedürfnis einhergeht.
In diesem Fall empfiehlt sich ein stärker mitarbeiterorientiertes Führungsverhal-
ten (z. B. Empowering Leadership).
Der Ansatz der dynamischen Mitarbeiterführung fokussiert sich ebenfalls auf
die Motivation, die Fähigkeiten und Kompetenzen der Geführten. Er berück-
sichtigt zudem aufgaben- und umweltbezogene Einflüsse (z. B. organisationaler
Kontext). Dynamische Mitarbeiterführung entfernt sich somit von dem Gedan-
ken, dass es eine „Patentlösung“ für ein optimales und effektives Führungsverhal-
ten gibt. Zwei sehr aktuelle Studien von Breevaart et al. (2014) sowie Breevaart
et al. (2016) liefern eindrucksvolle Belege für dynamisches Führungsverhalten
(Dynamic Leadership Behavior): Angepasst an die jeweilige Situation zeigen
Führungskräfte ein sich täglich (Breevaart et al. 2014) oder wöchentlich variie-
rendes Führungsverhalten (Breevaart et al. 2016). In ihrer ersten Studie überprüf-
ten Breevaart et al. (2014) im militärischen Kontext die täglich sich verändernden
Einflüsse der transformationalen Führung und der transaktionalen Führung (Con-
tingent Reward und aktives MBE) auf das Arbeitsengagement der Geführten. 61
norwegische Seekadetten füllten auf ihrer Reise von Nordeuropa nach Nordame-
rika 34 Tage lang ein Tagebuch aus und bewerteten darin ihre Führungskräfte. In
jenen Tagen, in welchen ihre Führungskräfte ein transformationales oder aktives
transaktionales Führungsverhalten (Contingent Reward) zeigten, konnte ein höhe-
res Arbeitsengagement beobachtet werden. Hingegen zeigt ein kontrollierendes
Führungsverhalten (aktives MBE) keine relevanten Effekte auf den Arbeitsein-
satz. Bereits Bass und Avolio (1990) gehen davon aus, dass eine Kombination
9
aus transformationaler Führung und Contingent Reward sehr effektiv sein kann.
Die zugrunde liegenden Prozesse (z. B. in welchen spezifischen Situationen
transformationales und in welchen transaktionales Führungsverhalten effektiver
ist) blieben jedoch weitgehend unerklärt (Avolio et al. 1999; Bass und Riggio
2006). Breevaart et al. (2014) konnten belegen, dass Führungsverhalten täglichen
Schwankungen unterworfen ist: Wird ein höheres aktives MBE gezeigt, dann
sind Führungskräfte stärker mit der Kontrolle ihrer Geführten beschäftigt (z. B.
in Gefahrensituationen). Aufgrund der geringen Autonomie reduzierte sich jedoch
das Arbeitsengagement der Geführten (Breevaart et al. 2014). In einer zweiten
Studie überprüften Breevart et al. (2016), inwiefern sich das transformationale
Führungsverhalten (der Führungskräfte) und das Self-Leadership (der Geführ-
ten) auf das Arbeitsengagement und die Arbeitsleistung auswirken. Beobachtet
wurde zudem das (wöchentlich) sich verändernde Bedürfnis der Geführten nach
Führung. Die Ergebnisse konnten belegen, dass das transformationale Führungs-
verhalten der Führungskraft und das Self-Leadership der Geführten gleichfalls
positive Auswirkungen auf das Arbeitsengagement und die Arbeitsleistung der
Geführten ausüben. In jenen Wochen, in welchen bei den Geführten ein stärke-
res Bedürfnis nach Führung vorherrschte (z. B. herausfordernde Aufgaben), war
transformationales Führungsverhalten effektiver. In jenen Wochen, in welchen
nur eine niedrige Abhängigkeit an die Führungskraft und demnach ein gerin-
ges Bedürfnis nach Führung vorherrschte (z. B. Routineaufgaben), nutzten die
Geführten vermehrt ihre Self-Leadership-Fähigkeiten.
Nach dem Ansatz der dynamischen Mitarbeiterführung zeigen verschiedene
Formen des Führungsverhaltens in den jeweiligen Situationen eine unterschied-
liche Effektivität (Sims et al. 2009). Variiert eine achtsame Führungskraft ihr
Führungsverhalten, dann ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie von ihren
Geführten als authentisch wahrgenommen wird. Mindfulness wirkt sich positiv
auf die authentische Führung aus (Reb et al. 2014). Zudem ist es für eine acht-
same Führungskraft einfacher, spezifisch sich verändernde Situationen als sol-
che zu erkennen und entsprechend natürlich ihr Führungsverhalten anzupassen.
Welche verschiedenen Arten von Führungsverhalten konnten bislang beobachtet
werden? Manz und Sims (1991) beschreiben vier verschiedene Arten von Füh-
rungsverhalten: 1) Direktive Führung (Strong Man), 2) transaktionale Führung
(Transactor), 3) transformationale Führung (Visionary Hero), und 4) Empowering
Leadership (SuperLeader).
1. Direktive Führung. Die „starke Mann“-Perspektive ist die älteste Form
von Führungsverhalten, welche in unserem kulturellen Bild verankert ist.
Der Fokus liegt auf einer allmächtigen, allein herrschenden und „starken“
3.1 Einführung
10
3 Dynamische Mitarbeiterführung
Führungskraft, welche Anweisungen und Befehle gibt und demnach als direk-
tive Führung bezeichnet werden kann. Ihre Macht wird durch die Position
innerhalb einer Organisation legitimiert. Die Geführten haben sich zu fügen
und Befehle zu befolgen. Wird eine Aufgabe nicht zufriedenstellend umgesetzt,
dann müssen sie mit harten Bestrafungen rechnen. Die direktive Führung nutzt
die angstbesetzte Motivation. Furcht ist neben der Hoffnung eine grundlegende
Antriebstendenz des Menschen (Furtner 2016). Eine direktive Führungskraft
schüchtert ihre Geführten ein und weist sie in bestimmten Situationen zurecht.
2. Transaktionale Führung. Die transaktionale Führung nutzt ein Beeinflussungs-
mittel, welches in der Geschichte der Menschheit seit jeher eingesetzt wurde
und sehr einfach sowie effektiv ist: Das Mittel der Belohnung. Der Machtfo-
kus der transaktionalen Führung liegt auf Zielen und den darauf folgenden
Belohnungen. Führungskraft und Geführte befinden sich in einem rationalen
Austauschprozess. Beispielsweise vereinbart eine Führungskraft im Rahmen
eines Mitarbeitergesprächs gemeinsam mit ihren Geführten Leistungsziele.
Zugleich stellt sie bestimmte Belohnungen (z. B. Bonuszahlung, Beförde-
rung, materielle Anreize) in Aussicht, wenn die Geführten innerhalb eines
bestimmten Zeitraums die (gemeinsam) vereinbarten Ziele erreichen. Transak-
tionales Führungsverhalten fokussiert sich auf die extrinsische Motivation der
Geführten. Es handelt sich um eine sehr einfache und effektive Form von Füh-
rung. Die Geführten wissen, welche positiven Belohnungen sie erwarten dür-
fen, wenn sie einen hohen Leistungseinsatz zeigen und ihre Ziele erreichen.
Werden die gemeinsam vereinbarten Leistungsziele erfüllt, dann können die
Geführten mit einer entsprechenden Belohnung rechnen.
3. Transformationale Führung. Die transformationale Führung nutzt als zentrales
Beeinflussungsmittel das Charisma. Sie ist das mächtigste und einflussreichste
Führungsverhalten, welches bislang in der Führungsforschung beschrieben
wurde (Furtner 2016). Die transformationale Führung vermittelt ihre Visionen
auf Basis einer einfachen und bildhaften Sprache. Sie inspiriert ihre Geführ-
ten und treibt sie zu Höchstleistungen an. Im Gegensatz zur transaktionalen
Führung regt transformationales Führungsverhalten stärker die intrinsische
Motivation der Geführten an. Die Geführten identifizieren sich zu 100 % mit
ihrer Führungskraft und zeigen außergewöhnliche Leistungen. Die transfor-
mationale Führung beeinflusst ihre Geführten auf einer charismatisch-emoti-
onalen Ebene. Zudem wird die kognitive Ebene angeregt: Die Führungskraft
stimuliert den Intellekt der Geführten und motiviert zum Perspektivenwechsel.
Probleme und schwierige Entscheidungen sollen ganzheitlich betrachtet und
Arbeitsprozesse optimiert werden. Die transformationale Führungskraft geht
sehr individuell auf die Bedürfnisse, Stärken und Schwächen ihrer Geführten
ein (Furtner 2016; Furtner und Baldegger 2016).
11
4. Empowering Leadership. Um die Kreativität, Innovation und Leistung zu stei-
gern, teilt sich eine ermächtigende Führungskraft die Macht, das Wissen und
die Kontrolle mit ihren Geführten. Sie gewährt einen hohen Entscheidungs-
und Handlungsspielraum und lässt die Geführten ihre täglichen Arbeitsaufga-
ben relativ autonom bewältigen. Hierfür müssen sich die Geführten jedoch bis
zu einem gewissen Grad selbst motivieren und führen können. Demnach liegt
ein zentraler Schwerpunkt der ermächtigenden Führungskraft darin, die Self-
Leadership-Fähigkeiten der Geführten zu entwickeln. Sie wirkt als positives
Rollenmodell sowie Vorbild und demonstriert ihre Self-Leadership-Fähigkei-
ten. Zugleich entwickelt sie das Self-Leadership der Geführten, indem sie diese
belohnt und positiv verstärkt (z. B. Lob, Feedback). Eine ermächtigende Füh-
rungskraft zielt letztendlich auf die Selbstentwicklung der Geführten ab, damit
sich diese schließlich selbst führen können. Bezogen auf ihr Team oder ihre
Arbeitsgruppe fördert die ermächtigende Führungskraft die geteilte Führung
(Shared Leadership). Die Geführten, welche über hohe Self-Leadership-Fähig-
keiten verfügen, sollen sich die Macht und das Wissen im Team oder in der
Arbeitsgruppe teilen. Sie übernehmen einen Teil der Führungsaufgabe, indem
sie sich selbst wechselseitig beeinflussen und kontrollieren (vgl. Furtner 2017).
5. Passiv-vermeidendes Führungsverhalten. Die passiveren Teilaspekte der trans-
aktionalen Führung (aktives und passives MBE) fokussieren sich auf die Kon-
trollaktivitäten der Führungskraft. Während eine Führungskraft beim aktiven
MBE bestimmte Fehler und Problemquellen rechtzeitig vorwegnimmt und mit
ständigen Kontrollaktivitäten beschäftigt ist, greift sie beim passiven MBE
erst ein, wenn Fehler oder Probleme bereits aufgetreten sind. Sie ist ständig
mit „Feuer löschen“ beschäftigt. Noch passiver agiert nur mehr die Laissez-
faire-Führung, welche sich dadurch kennzeichnet, dass sich die Führungskraft
nicht um die Geführten kümmert. Sie interessiert sich nicht großartig für Füh-
rung, das heißt für eine zielorientierte und effektive Fremdbeeinflussung. Die
Geführten werden mit ihren Zielen, Entscheidungen, Problemen und Fehlern
allein gelassen. Laissez-faire-Führungsverhalten zeigt sehr negative Auswir-
kungen auf die Geführten und die Organisation (z. B. geringere Arbeitsleis-
tung und Arbeitszufriedenheit, höhere Fluktuation sowie Fehlzeiten). Geführte
mit hohen Self-Leadership-Fähigkeiten können Laissez-faire-Führungsverhal-
ten sogar teilweise kompensieren, indem sie sich selbst motivieren und führen.
Self-Leadership soll die Führung jedoch nicht ersetzen, sondern unterstützen.
Bei jenen Arten von Führungsverhalten, welche eine relativ hohe Autonomie
gewähren (transformationale Führung, Empowering Leadership, Laissez-faire-
Führung) und nur geringe Kontrollaktivitäten durchführen, ist Self-Leadership
von hoher Bedeutung.
3.1 Einführung
12
3 Dynamische Mitarbeiterführung
Dynamische Mitarbeiterführung betrachtet Führung als sehr flexiblen Prozess. Zwar
können bestimmte Arten von Führungsverhalten als allgemein aktiver und effekti-
ver beschrieben werden (z. B. transformationale Führung, Furtner 2016; Empo-
wering Leadership, Furtner 2017), dennoch gibt es eine Reihe von Situationen, in
welchen möglicherweise ein alternatives Führungsverhalten (z. B. direktives oder
transaktionales Führungsverhalten) passender und effektiver wäre. Im Führungs-
alltag wird es wohl nur selten eine rein „transformationale Führungskraft“ geben,
welche sozusagen ständig ihre Visionen predigt und dauerhaft wie eine charisma-
tisch-leuchtende „Batterie“ umherschweift, das heißt, fortlaufend transformationa-
les Führungsverhalten zeigt. Diese Führungskraft hätte dieselbe Rigidität (Starrheit,
Inflexibilität) wie das oben beschriebene Beispiel eines autokratischen, autoritären
und „tyrannischen“ Führungsstils. „Kluge“ und effektive Führungskräfte verstehen
es, ihr Führungsverhalten an die jeweilige Situation anzupassen. Nachfolgend wer-
den unterschiedliche Arten von Führungsverhalten beschrieben, welche – passend
zur jeweiligen Situation – ihre entsprechende Effektivität entfalten können.
3.2
Direktives Führungsverhalten: Befehle und
Disziplin
Mittels direktivem Führungsverhalten nutzt eine Führungskraft ihre Positions-
macht. Diese Machtquelle wurde bereits von French und Raven (1959) als Legi-
timationsmacht bezeichnet und entspricht dem Status und dem Rang, welche eine
Person in der Organisation einnimmt. Auf Basis ihrer Machtposition nutzt eine
direktive Führungskraft folgende Beeinflussungsmittel: Anweisungen, Befehle,
zugeordnete Ziele, Einschüchterungen, Drohungen, Zurechtweisungen und Ver-
warnungen (Pearce et al. 2003). Wird die Arbeit nicht zur Zufriedenheit der Füh-
rungskraft ausgeführt, dann kann dies zu ernsthaften Konsequenzen führen. Die
direktive Führungskraft fokussiert sich auf das Mittel der Bestrafung. Im Gegen-
satz zum transformationalen (Hoffnung auf eine bessere Zukunft) und trans-
aktionalen Führungsverhalten (Hoffnung auf Belohnungen) nutzt die direktive
Führungskraft die Furcht als zentrales Beeinflussungsmittel. Hoffnung und Furcht
sind jene „Basismotivatoren“, auf deren Grundlage sich die menschliche Motiva-
tion entfaltet (Furtner 2016). Unter einer direktiven Führungskraft versuchen die
angstbesetzten Geführten negative Bestrafungskonsequenzen (z. B. Kündigung)
zu vermeiden und zeigen einen entsprechenden Leistungseinsatz. Ein direktives
Führungsverhalten kann in bestimmten Situationen angemessen und kurzfristig
erfolgreich sein, dauerhaft angewandt zeigen sich jedoch negative Konsequenzen
(z. B. hohe Unzufriedenheit, Fehlzeiten und Kündigung).
13
Das direktive Führungsverhalten basiert auf einigen klassischen Führungsan-
sätzen und -theorien (vgl. Pearce et al. 2003):
1. Die Theorie X von McGregor (1960) beschreibt ein „negatives“ Menschenbild,
welches Führungskräften häufig nicht bewusst ist: Menschen seien grundsätz-
lich faul und selbstsüchtig. Sie würden es bevorzugen, geführt zu werden und
die Verantwortung abzugeben. Dieses Menschenbild „verlangt“ nach einem
direktivem Führungsverhalten: Menschen müssen strikt geführt, kontrolliert
und mittels Zwang und Strafe zu einer höheren Leistung motiviert werden.
2. Die Ohio-Studien (z. B. Fleishman 1953) beschreiben auf Basis faktorenana-
lytischer Auswertungen zwei unabhängige Arten des Führungsverhalten: Die
Mitarbeiterorientierung (Consideration) fokussiert sich auf die (persönlichen)
Beziehungen zwischen Führungskraft und Geführten. Die Führungskraft
achtet auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter. Führungskräfte mit einer hohen
Aufgabenorientierung (Initiating Structure) legen ihren Schwerpunkt auf die
zu erledigenden Aufgaben. Sie zeigen ein direktives und strukturiertes Füh-
rungsverhalten. Das heißt, sie geben klar die Art und Weise vor, wie die Arbeit
erledigt werden soll und koordinieren zugleich die Aktivitäten der Geführten.
Ein autoritäres Führungsverhalten entspricht einem zweiten Typ der Aufga-
benorientierung: Die Führungskräfte vollziehen wichtige Entscheidungen
ohne Einbezug der Mitarbeiter oder äußern sich sehr kritisch bei unzureichen-
der Arbeitsleistung (Yukl 1998). Parallel zu den Ohio-Studien bestätigen die
Michigan-Studien (Katz et al. 1950) ein aufgabenorientiertes Führungsver-
halten, bei welchem die Führungskräfte überwiegend Management-Aufgaben
übernehmen. Das heißt, sie planen die Aufgaben, koordinieren den Ablauf,
kontrollieren und unterstützen den Prozess der erfolgreichen Aufgabenbewäl-
tigung. Direktives Führungsverhalten kennzeichnet sich demnach durch eine
besondere Aufgabenfokussierung aus.
3. Ein weiteres Kernmerkmal des direktiven Führungsverhaltens ist die Nutzung
der Bestrafung, welche sowohl in Beziehung zu einem bestimmten Ereignis
(bedingte Bestrafung: z. B. nicht zufriedenstellende Aufgabenbearbeitung)
oder unabhängig davon (nicht-bedingte Bestrafung: z. B. willkürliche und
„spontane“ Bestrafungen) erfolgen kann (Pearce et al. 2003).
Direktives Führungsverhalten eignet sich in jenen Situationen, in welchen stärker
die kurzfristige Effizienz im Vordergrund steht und weniger die (mittel- bis lang-
fristige) Entwicklung der Geführten. Dadurch bietet sich direktives Führungsver-
halten in sehr dringlichen und unstrukturierten Situationen an, bei welchen klare
Ziele vorliegen und die Kompetenz und Erfahrung der Führungskraft viel höher ist
3.2 Direktives Führungsverhalten: Befehle und Disziplin
14
3 Dynamische Mitarbeiterführung
als die der Geführten. Sims et al. (2009) konnten beispielsweise beobachten, dass
Führungskräfte (leitende Ärzte) in einer Unfallklinik häufig direktives Führungs-
verhalten zeigen. Sie diagnostizieren, operieren und geben ihrem Team aufgaben-
bezogene Anweisungen. Dies geschieht häufig auf Basis einer entschiedenen und
dringlichen Art und Weise. In brisanten Situationen, in welchen es bei Patienten
um Leben oder Tod gehen kann und für die Entwicklung der Geführten keine
Zeit bleibt, eignet sich das direktive Führungsverhalten. Bei Evakuierungen (z. B.
Brände, Bombenalarm) oder in militärischen Kampfsituationen benötigt es direk-
tive, spezifische und aufgabenbezogene Anweisungen (Houghton und Yoho 2005).
Zeigt das direktive Führungsverhalten in kritischen Situationen keine Wirkung,
dann besteht noch die Möglichkeit, die Mitarbeiter mittels eines kurzfristigen
aversiven Führungsverhaltens („Drohung“) zu motivieren. Beispielsweise wird
einem Mitarbeiter in einem ernsthaften persönlichen Gespräch klar kommuniziert,
dass er gekündigt wird, sollte keine sofortige Leistungsverbesserung eintreten.
Führungssituation: Sicherheit in einer Chemiefabrik
Kurz vor der Mittagspause treffen Sie als Betriebsleiter einer Chemiefabrik für
ätzende Stoffe einen jungen Mitarbeiter bereits zum wiederholten Male ohne
Sicherheitsschuhe an, obwohl diese im Betrieb zu tragen sind und es zudem
gesetzlich vorgeschrieben ist. Nicht zum ersten Mal haben Sie Ihren Mitarbei-
ter ermahnt und auf die Unfallgefahren und ihre Auswirkungen hingewiesen.
Welches Führungsverhalten werden Sie in dieser Situation Ihrem Mitarbei-
ter gegenüber zeigen?
Zusammengefasst eignet sich direktives Führungsverhalten besonders in jenen
Situationen, in welchen:
• eine hohe Dringlichkeit und ein hohes Risiko bezüglich der Aufgabenbewälti-
gung besteht
• die Erreichung kurzfristiger Ziele im Vordergrund stehen
• die Aufgaben sehr unstrukturiert sind und es klare aufgabenbezogene Anwei-
sungen benötigt
• die Mitarbeiter nur über ein geringes Commitment (Verpflichtung) verfügen
• die Geführten weder intrinsisch noch extrinsisch zu motivieren sind
• die Erfahrung und Kompetenzen der Mitarbeiter relativ gering sind
• die Entwicklung der Geführten aufgrund des dringlichen und kurzfristigen
Zieles nicht im Vordergrund steht
• die Geführten sich fügen, eine hohe Abhängigkeit zeigen und das Kreativitäts-
und Innovationspotenzial gering ist.
15
3.3
Transaktionales Führungsverhalten: Leistung
und Gegenleistung
Das Herzstück der transaktionalen Führung ist Contingent Reward (bedingte,
ereignisbezogene Belohnung). Die Führungskraft und die Geführten treten in
einen rationalen Austauschprozess. Die Führungskraft vereinbart gemeinsam mit
ihren Geführten Ziele (z. B. im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs), welche in
einem bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen. Als Machtquelle steht der
Führungskraft die Belohnungsmacht zur Verfügung. Erfüllen die Geführten die
ziel- und leistungsbezogenen Erwartungen, dann kann die Führungskraft per-
sönliche (z. B. Lob, Aufstiegsmöglichkeiten) oder materielle Belohnungen (z. B.
Bonuszahlungen) einsetzen. Bei Nichterfüllung gibt es zudem die Möglichkeit,
Verwarnungen auszusprechen oder sogar – ähnlich zum direktiven Führungsver-
halten – das Mittel der Bestrafung (z. B. Versetzung, Kündigung) anzuwenden.
Seit jeher haben transaktionale Austauschprozesse in der Geschichte der
Menschheit einen wichtigen Stellenwert eingenommen (z. B. Tauschhandel).
Demnach ist es nicht überraschend, dass es bereits eine sehr breite Basis an unter-
schiedlichen Theorien und Ansätzen zur transaktionalen Führung gibt (Houghton
und Yoho 2005):
1. Erwartungstheorie (Vroom 1964): Bezogen auf eine rationale Erklärung
menschlichen Verhaltens spielen nach der Erwartungstheorie drei zentrale
Variablen eine wichtige Rolle:
– Valenz – Wert und Attraktivität eines Ziels, für welches ein bestimmter
Leistungseinsatz gezeigt wird (z. B. eine Beförderung hat einen subjektiv
hohen Wert)
– Instrumentalität (Nutzen) – Verknüpfung zwischen dem Handlungsergeb-
nis und den Handlungsfolgen (z. B. eine Beförderung bringt mehr Status
und Geld, jedoch auch mehr Verantwortung und weniger Freizeit)
– Erwartung – die Wahrscheinlichkeit, dass ein persönlicher Leistungseinsatz
tatsächlich zum erwarteten Ergebnis führt (z. B. persönliche Fähigkeiten,
Kompetenzen)
2. Weg-Ziel-Theorie der Führung (House 1971; House und Mitchell 1974):
Aufbauend auf der Erwartungstheorie erklärt die Weg-Ziel-Theorie, wie sich
das Führungsverhalten (z. B. Mitarbeiter- und Aufgabenorientierung) auf die
Arbeitsleistung und die Arbeitszufriedenheit der Geführten auswirkt. Die Füh-
rungskraft zeigt den Weg zu den „Belohnungen“ auf (z. B. Bonuszahlung,
Beförderung). Sie gibt klare Ziele vor, unterstützt die Geführten bei der Zieler-
reichung und verknüpft die Ziele mit entsprechenden Belohnungen, welche
3.3 Transaktionales Führungsverhalten: Leistung und Gegenleistung
16
3 Dynamische Mitarbeiterführung
sich an den Bedürfnissen der Geführten orientieren. Damit die Geführten
optimal ihre Bedürfnisse und die gesetzten Leistungsziele erreichen, schlagen
House und Mitchell (1974) vor, dass entsprechend der Situation (z. B. Struktur
der Aufgabe) unterschiedliche Arten von Führungsverhalten gezeigt werden
sollen:
– direktives Führungsverhalten (z. B. bei geringen Erfahrungen und Kompe-
tenzen der Geführten)
– unterstützendes Führungsverhalten (z. B. in stressreichen Situationen)
– partizipatives Führungsverhalten (zur Förderung der Akzeptanz und
Motivation)
– leistungsorientiertes Führungsverhalten (Festlegung von herausfordernden
Zielen und fortlaufende Leistungsoptimierung)
3. Austauschtheorie (Equity-Theorie, Adams 1963): Nach der Austauschthe-
orie vergleicht eine Person ihren eigenen Arbeitseinsatz und was sie dafür
bekommt („Belohnung“) mit dem Arbeitseinsatz von anderen Personen und
was diese dafür bekommen. Auf Basis des Wissens darüber, strebt sie nach
Gerechtigkeit. Erhält beispielsweise ein Kollege (mit einer ähnlichen Quali-
fikation und Erfahrung) für dieselbe Arbeitsleistung ein höheres Gehalt (oder
wird er befördert), dann wird dies als Ungerechtigkeit empfunden. Um die
Gerechtigkeit wiederherzustellen, wird beispielsweise die eigene Arbeitsleis-
tung reduziert.
4. Verstärkungstheorie (Skinner 1938; Thorndike 1911): Personen verknüpfen
die Arbeitsleistung mit einer positiven Verstärkung (= Belohnung), welche
gleichzeitig oder in enger zeitlicher Nähe zum gezeigten Verhalten (= Arbeits-
leistung) erfolgen sollte. Eine positive Verstärkung erhöht die Wahrscheinlich-
keit für ein erneutes Auftreten des gezeigten Leistungsverhaltens. Übertragen
auf die transaktionale Führung bedeutet dies, dass eine Führungskraft die
Belohnung gleichzeitig mit oder unmittelbar nach der Zielerreichung geben
sollte. Dadurch wird das zukünftige Leistungsverhalten der Mitarbeiter positiv
beeinflusst. Auf Basis lerntheoretischer Erkenntnisse sollte eine Führungskraft
zu Beginn fortlaufend jedes positiv gezeigte Leistungsverhalten (Zielerrei-
chung) belohnen. In weiterer Folge sollten Belohnungen nur mehr zwischen-
zeitlich gegeben werden. Dadurch verlieren Belohnungen einerseits nicht
ihren Anreiz und andererseits reduziert sich nicht die Leistung aufgrund eines
möglichen Gewöhnungseffektes (immer dieselbe Belohnung).
Die transaktionale Führung fokussiert sich auf einen Austauschprozess zwischen
Führungskraft und Geführten. Die Führungskraft nutzt ihre Belohnungsmacht
und erhält im Gegenzug einen entsprechenden Leistungseinsatz der Geführten.
17
Contingent Reward ist eine sehr einfache und effektive Form von Führungsver-
halten, welche sich positiv auf das Leistungsverhalten der Geführten auswirkt.
Ein transaktionales Führungsverhalten bietet sich bei klar strukturierten Aufgaben
bei mittlerer Dringlichkeit an. Die Entwicklung der Geführten nimmt bei trans-
aktionalem Führungsverhalten eine geringere Rolle ein. Transaktionales Füh-
rungsverhalten eignet sich in jenen Fällen, in welchen die Führungskraft über
eine entsprechende Legitimations- und Belohnungsmacht verfügt, die Leistung
quantifiziert werden kann und die Geführten nach Belohnungen streben (Sims
et al. 2009). Contingent Reward ist besonders dann wirksam, wenn die Abhän-
gigkeit der Geführten hoch ist, wobei es weniger die Kreativität und Innovations-
fähigkeit der Geführten fördert (Houghton und Yoho 2005). Die Effektivität der
transaktionalen Führung ist kontextabhängig: Beispielsweise konnten Sims et al.
(2009) bei Führungskräften (leitenden Ärzten) in einem Unfallkrankenhaus kaum
transaktionales Führungsverhalten beobachten, während es beispielsweise im Ver-
trieb sehr effektiv eingesetzt werden kann. Angenommen, eine Verkaufsleiterin
im Großhandel erhält die Quartalsziele des Top-Managements und entscheidet
sich dafür, ihre Verkaufsmitarbeiter mittels transaktionalem Führungsverhalten
zu motivieren. In Kooperation mit dem Personalmanagement überlegt sie sich
ein spezifisches Anreiz-Programm (z. B. Bonuszahlungen, Wellness-Programm,
Kurzreisen). Daraufhin kommuniziert sie ihren Verkaufsmitarbeitern die Umsatz-
ziele und die zu erwartenden Belohnungen.
Führungssituation: Umsatzeinbruch bei einem Autohändler
Die Absatzzahlen Ihres Autohauses sind im letzten Quartal stark eingebrochen.
Sie beschließen ein rigoroses Sparprogramm. Aufgrund der von Ihnen sehr
niedrig angesetzten Verkaufsprovisionen werden Ihre Autoverkäufer immer
unzufriedener und zeigen kaum mehr Begeisterung im Verkaufsgespräch. Kla-
gen werden laut, dass Sie, im Vergleich zu anderen Händlern der Branche, mit
Ihrem spärlichen Provisionssystem weit hinter der Konkurrenz liegen.
Welches Führungsverhalten werden Sie zeigen, um den Umsatz Ihres Auto-
hauses wieder zu steigern?
Zusammengefasst eignet sich transaktionales Führungsverhalten insbesondere in
jenen Situationen, in welchen:
• eine mittlere bis geringe Dringlichkeit bezüglich der Aufgabenbewältigung
besteht
• die Erreichung mittelfristiger Ziele (z. B. Quartals- oder Jahresziele) im Vor-
dergrund steht
3.3 Transaktionales Führungsverhalten: Leistung und Gegenleistung
18
3 Dynamische Mitarbeiterführung
• die Aufgaben sehr strukturiert sind und klare Ziele vorliegen
• die Mitarbeiter über ein geringes bis mittleres Commitment (Verpflichtung)
verfügen
• die Geführten mittels Belohnungen extrinsisch motiviert werden können oder
sollen
• die Leistung sehr gut quantifiziert werden kann
• die Entwicklung der Geführten weniger im Vordergrund steht
• die Geführten eine hohe Abhängigkeit zeigen, sich fügen und das Kreativitäts-
und Innovationspotenzial gering ist.
3.4
Transformationales Führungsverhalten: Visionen
und Inspiration
Das Charisma der Führungskraft ist ein zentrales Beeinflussungsmittel der tran-
formationalen Führung. Diese setzt sich aus vier Teildimensionen zusammen: 1)
Idealisierter Einfluss, 2) inspirierende Motivation, 3) intellektuelle Stimulierung
und 4) individuelle Berücksichtigung. Charisma setzt sich aus einer Kombination
von idealisiertem Einfluss (Formulierung hoher Ideale) und inspirierender Motiva-
tion (Nutzung einer einfachen und plastischen Vision) zusammen. Die individuelle
Berücksichtigung, welche spezifisch auf die Bedürfnisse der Geführten eingeht,
unterstützt auf emotionaler Ebene die charismatische Wahrnehmung, ebenso die
intellektuelle Stimulierung, welche stärker auf einer rationalen (kognitiven) Ebene
auf die Geführten einwirkt (vgl. Furtner 2016). Die transformationale Führung
repräsentiert eine sehr idealisierte und mächtige Form von Führungsverhalten. Auf
Basis der hohen Ideale (z. B. Gerechtigkeit, Freiheit) und inspirierender Visionen
regt die transformationale Führung die intrinsische Motivation und das Commit-
ment der Geführten an. Die Geführten identifizieren sich mit ihrer Führungskraft,
sind loyal und folgen ihr beinahe „blind“. Zudem nehmen sie ihre Führungskräfte
als charismatisch wahr. Transformationales Führungsverhalten kann einen außer-
ordentlichen Leistungseinsatz bei den Geführten bewirken.
Die transformationale Führung hat ihre Basis in verschiedenen Ansätzen zum
Charisma und zur charismatischen Führung:
1. Soziologie des Charismas (Weber 1947): Nach Weber verfügt nicht jede
Person über eine charismatische Wirkung: Menschen mit einer besonderen
persönlichen Ausstrahlung hätten eine „göttliche“ Gabe, welche andere Men-
schen in ihren Bann zieht und sie verzaubert. Diese Sichtweise ist heutzutage
noch relativ weit verbreitet: Entweder eine Person hat das „gewisse Etwas“,
19
oder sie hat es eben nicht. Modernere Ansätze beschreiben ein Zusammen-
spiel zwischen Persönlichkeitseigenschaften (z. B. Extraversion, Narzissmus),
Motiven (z. B. Machtmotiv), dem Führungsverhalten (z. B. transformationale
Führung) und der Situation (z. B. Krisen), welche dazu führen, dass Füh-
rungskräfte von ihren Geführten als charismatisch wahrgenommen werden
(vgl. Furtner 2016). In Anlehnung an die Arbeit von Weber (1947) beschrei-
ben Trice und Beyer (1986) fünf Schlüsselkomponenten der charismatischen
Führung:
– die Führungskraft benötigt eine außergewöhnliche („göttliche“) Gabe
– eine Krise muss vorherrschen
– die Führungskraft kommuniziert eine Lösung für die Krise
– die Geführten fühlen sich zur ihrer Führungskraft auf eine besondere (über-
menschliche) Art und Weise verbunden
– auf Basis des Erfolgs erklären die Geführten die göttliche Gabe der Füh-
rungskraft für wahr und gültig
2. Charismatische Führungstheorie (House 1977): Um charismatische Füh-
rungskräfte zu verstehen, müssen nach House (1977) sowohl die Persönlich-
keitseigenschaften der Führungskraft, die Effekte auf die Geführten und das
Führungsverhalten näher betrachtet werden. Hinzu kommen situative Kom-
ponenten, welche eine wichtige Rolle spielen, ob eine Führungskraft als cha-
rismatisch wahrgenommen wird (z. B. Krisen, Innovation). Nach House und
Shamir (1993) weisen charismatische Führungskräfte folgende Verhaltenswei-
sen auf, um ihr Charisma zu steigern:
– sie zeigen eine positive Selbstdarstellung (Impression Management)
– sie kommunizieren hohe Ziele und Ideale
– sie betonen die besondere Rolle der Geführten
– sie agieren als positives Rollenmodell und Vorbild
– sie kommunizieren den Geführten hohe Erwartungen und Zuversicht
– sie regen die Motive der Geführten an (z. B. deren Macht- oder
Leistungsmotiv)
Transformationales Führungsverhalten ist besonders in jenen Situationen effek-
tiv, in welchen es auf Basis von Krisen ein starkes Bedürfnis nach Veränderung
gibt. In unsicheren Zeiten sehnen sich die Geführten nach einer „starken“ Füh-
rung, welche den inneren Zusammenhalt fördert und zu herausragenden Leistun-
gen motiviert. Neben dem direktiven ist transformationales Führungsverhalten in
dringlichen Situationen und bei unstrukturierten Aufgaben geeignet. Die trans-
formationale Führung legt einen besonderen Fokus auf die effektive Nutzung
der Fähigkeiten und Kompetenzen der Geführten. Es erhöht zudem das affektive
3.4 Transformationales Führungsverhalten: Visionen und Inspiration
20
3 Dynamische Mitarbeiterführung
(emotionale) Commitment der Mitarbeiter. Ob transformationales Führungsver-
halten wirksam ist oder nicht, hängt wiederum von der Situation ab: In einer star-
ren und bürokratischen Organisation, in welcher es kein großes Bedürfnis nach
Veränderung gibt (z. B. Monopolstellung), wird ein veränderungsorientiertes
Führungsverhalten nur wenig effektiv sein und möglicherweise sogar auf heftigen
Widerstand stoßen. Sims et al. (2009) konnten bei Führungskräften in der Unfall-
klinik keinerlei transformationales Führungsverhalten beobachten. Sie geben
jedoch ein situatives Beispiel, in welchem transformationales Führungsverhalten
sehr passend sein kann: In einer Abteilung für Produktdesign ist eine neue Füh-
rungskraft mit internen und externen „Grabenkämpfen“ konfrontiert. Darunter
leidet unmittelbar die Produktivität. Die Führungskraft entschließt sich, ein trans-
formationales Führungsverhalten zu zeigen. Sie versammelt ihr Team zu einem
Meeting, für welches sie eine visionäre Rede vorbereitet hat (vgl. Furtner 2016).
Führungssituation: Krise in einem Fußballverein
Mit großen Erwartungen werden Sie als neuer Fußballtrainer des krisenge-
schüttelten FC Landrot engagiert. Die Mannschaft verfügt über großartige
Einzelkönner, trotzdem liegt sie im hinteren Drittel der Tabelle. Die Stimmung
ist geprägt durch auffallend viele Streitigkeiten innerhalb des Teams und jeder
scheint nur für sich selbst zu spielen.
Welches Führungsverhalten werden Sie in dieser Situation Ihren Spielern
(„Mitarbeitern“) gegenüber zeigen?
Zusammengefasst eignet sich transformationales Führungsverhalten besonders in
jenen Situationen, in welchen:
• Krisen in dynamischen, instabilen und unsicheren Umwelten vorherrschen
• eine hohe Dringlichkeit bezüglich der Aufgabenbewältigung besteht
• die Aufgaben unstrukturiert sind
• die Erreichung kurz-, mittel- und langfristiger Ziele im Vordergrund stehen
• bei den Mitarbeitern ein hohes Commitment (Verpflichtung) angeregt werden soll
• die intrinsische Motivation der Geführten beeinflusst und außergewöhnliche
Leistungen erbracht werden sollen
• die Mitarbeiter bereits über ein hohes Potenzial (Erfahrungen, Fähigkeiten,
Kompetenzen) verfügen oder ein hohes Entwicklungspotenzial haben
• die Abhängigkeit der Mitarbeiter hoch ist
• ein mittleres Kreativitäts- und Innovationspotenzial bei den Geführten ange-
regt werden soll.
21
3.5
Empowering Leadership: Autonomie und
Innovation
Ein ermächtigendes Führungsverhalten äußert sich darin, dass sich die Füh-
rungskraft das Wissen, die Macht und die Kontrolle mit den Geführten teilt. Die
Führungskraft gewährt einen autonomen Rahmen, in welchem sich die (hoch
qualifizierten) Geführten entfalten können. Die zentralen Ziele von Empowering
Leadership liegen sowohl in der Entwicklung der Selbstmanagement- und Self-
Leadership-Fähigkeiten der Geführten als auch in der Förderung von Kreativi-
tät, Innovation und Spitzenleistungen. Self-Leadership ist die zentrale Basis von
Empowering Leadership. Verfügen Führungskräfte über hohe Self-Leadership-
Fähigkeiten, dann können sie sowohl direkt als auch indirekt die Self-Leadership-
Fähigkeiten der Geführten entwickeln: Die Führungskraft fördert und entwickelt
die Self-Leadership-Fähigkeiten der Geführten, indem sie direkt auf diese hin-
weist und positiv verstärkt (z. B. Lob). Auf indirekter Ebene wirkt sie als positi-
ves Rollenmodell und Vorbild. Sie demonstriert ihre Self-Leadership-Fähigkeiten,
welche von den Geführten nachgeahmt werden. Empowering Leadership und
Self-Leadership sind wichtige Voraussetzungen für Shared Leadership (geteilte
Führung). Die Teammitglieder teilen sich hierbei die Macht, das Wissen und die
Kontrolle in Teams. Dadurch können hoch qualifizierte Teams in einem relativ
autonomen Rahmen (mit einem hohen Entscheidungs- und Handlungsspielraum)
ihr Innovationspotenzial entfalten (Furtner 2017).
Self-Leadership und Empowering Leadership verfügen über eine gemeinsame
theoretische Grundlage. Ursprünglich haben Manz und Sims (1991) den Begriff
„Superleadership“ (Leading others to lead themselves) verwendet, welcher jedoch
in jüngerer Zeit vollständig durch Empowering Leadership ersetzt wurde.
1. Kognitive Verhaltenstherapie, Selbstkontrolle und Selbstmanagement (Kanfer
et al. 2012; Manz und Sims 1980; Thoresen und Mahoney 1974): Self-Lea-
dership entstammt aus dem Selbstmanagement-Ansatz, welcher wiederum
seine Basis in der klinischen Psychologie hat. In klinischen Settings wurden
die Selbstmanagement-Strategien zur Selbstkontrolle vorwiegend zur Behand-
lung von schlechten Angewohnheiten, Süchten oder Essstörungen angewandt.
Die klinischen Selbstkontrolltechniken finden sich sowohl im Selbstmanage-
ment-Ansatz als auch in den verhaltensfokussierten Strategien von Self-
Leadership wieder: Selbstzielsetzung, Selbstbeobachtung, Selbstbelohnung,
Selbstbestrafung und Selbsterinnerung. Mit der kognitiven Umstrukturie-
rung wurde ein Ansatz der kognitiven Verhaltenstherapie in die konstruktiven
3.5 Empowering Leadership: Autonomie und Innovation
22
3 Dynamische Mitarbeiterführung
Gedankenmusterstrategien (Überzeugungen und Sichtweisen bewerten) integ-
riert. Hierbei sollen dysfunktionale („schädliche“) Gedanken identifiziert und
durch konstruktive Gedankenmuster ersetzt werden (vgl. Furtner 2012a).
2. Sozial-kognitive Theorie (Bandura 1986): Die sozial-kognitive Theorie geht
davon aus, dass eine Person Einfluss auf ihr Verhalten und ihre Umwelt hat.
Das individuelle Verhalten und die Umwelt beeinflussen wiederum die Per-
son (= triadische Reziprozität). Eine ermächtigende Führungskraft mit
hohen Self-Leadership-Fähigkeiten beeinflusst als positives Rollenmodell
und Vorbild die Self-Leadership-Fähigkeiten der Geführten. Bandura (1986)
bezeichnet diesen Prozess als Modell-Lernen: Die Geführten beobachten das
Verhalten ihrer Führungskraft, lernen daraus und ahmen es schließlich nach.
3. Selbstbestimmungstheorie (Deci und Ryan 1987): In der Selbstbestim-
mungstheorie nehmen die Autonomie (Selbstbestimmung), das Bedürfnis
nach Kompetenzerleben und die soziale Eingebundenheit einen zentralen
Stellenwert ein. Das Bedürfnis nach Kompetenzerleben kann durch soziale
Ereignisse (Feedback, Belohnung) gefördert werden. Das Kompetenzerle-
ben wirkt sich belohnend auf das Verhalten aus und fördert die intrinsische
Motivation. Die Gewährung von Autonomie hängt sehr eng mit der wahrge-
nommenen Kompetenz (Wirksamkeit) zusammen und fördert ebenfalls die
intrinsische Motivation. Die soziale Eingebundenheit dient zur Übernahme
fremder Verhaltensstandards (z. B. Leistungsverhalten eines Kollegen), wel-
che im Idealfall vollkommen in das Selbst integriert werden. Dadurch kann
sich die intrinsische Motivation entfalten, welche zu einer höheren Kreativität,
Innovation und Leistung führt (Gagné und Deci 2005). Ein ermächtigendes
Führungsverhalten wirkt sich förderlich auf die Kompetenzentwicklung der
Geführten aus. Die Führungskraft gewährt eine hohe Autonomie und vertraut
ihren Geführten. Als positives (sich selbst führendes Rollenmodell) fördert die
Führungskraft die Integration fremder Verhaltensstandards (z. B. Anwendung
von Self-Leadership-Fähigkeiten), mit welchen sich die Geführten schließlich
identifizieren. Unter einem ermächtigenden Führungsverhalten können die
Geführten als selbstbestimmte und kompetente Individuen Spitzenleistungen
erbringen (Furtner 2017).
Führungssituation: Krise und Umsatzeinbruch bei einem
Mobilfunkhersteller
Da Ihr Vorgänger den Trend zu Smartphones verschlafen hat, wurden sie kürz-
lich als neue Leiterin für die Produktentwicklung (Gesamtverantwortung für
Forschung und Entwicklung) eines ehemals marktführenden Mobilfunkherstel-
23
lers eingestellt. Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, haben Sie das beste-
hende Team mit hochkompetenten und motivierten Mitarbeitern ergänzt. Diese
neuen Mitarbeiter sind sehr kreativ und bekannt für ihr selbstständiges Arbei-
ten und ihre innovativen Ideen. Von ihnen erhoffen Sie sich, dass das Unterneh-
men mit neuen Produkten auf dem Markt wieder konkurrenzfähiger wird.
Welches Führungsverhalten werden Sie in dieser Situation Ihren Mitarbei-
tern gegenüber zeigen?
Zusammengefasst eignet sich Empowering Leadership insbesondere in jenen
Situationen, in welchen:
• die Kreativität, Innovation und Spitzenleistungen (in Teams) gefördert werden
sollen
• Hoch qualifizierte, kompetente und erfahrene Geführte beschäftigt sind
• eine geringe Dringlichkeit bezüglich der Aufgabenbewältigung besteht
• die Aufgaben unstrukturiert sind
• die Entwicklung der Geführten (z. B. Self-Leadership) und eine nachhaltige
Personalentwicklung im Vordergrund stehen
• bei den Mitarbeitern ein hohes Commitment (Verpflichtung) angeregt werden soll
• bei den Geführten eine hohe intrinsische Motivation entwickelt und außerge-
wöhnliche Leistungen erbracht werden sollen
• die Mitarbeiter ein hohes Entwicklungspotenzial haben
• die Selbstständigkeit der Geführten im Vordergrund steht.
3.6
Passiv-vermeidendes Führungsverhalten:
Kontrolle und Nonleadership
Die beiden passiven Dimensionen der transaktionalen Führung (aktives und passi-
ves MBE) und die Laissez-faire-Führung zeigen in der Literatur generell negative
Auswirkungen auf die Arbeitszufriedenheit und die Arbeitsleistung der Geführ-
ten. Im Full Range Leadership-Modell (Bass und Avolio 1990) zählen passives
MBE und die Laissez-faire Führung zu den inaktivsten und ineffektivsten Formen
(Furtner 2016).
1. Aktives Management-by-Exception (MBE) bezieht sich auf die Kontrollak-
tivitäten der Führungskraft. Mehr Kontrolle bedeutet weniger Vertrauen.
Die Führungskraft geht grundsätzlich davon aus, dass bei den Geführ-
ten Fehler auftreten, welche vermieden werden könnten, wenn sie sich mit
3.6 Passiv-vermeidendes Führungsverhalten: Kontrolle und Nonleadership
24
3 Dynamische Mitarbeiterführung
Überwachungs-, Beobachtungs- und Kontrollaktivitäten beschäftigt. Die
Führungskraft antizipiert möglich auftretende Fehler und greift frühzeitig
ein. Zur Förderung von Kreativität und Innovation ist aktives MBE weni-
ger geeignet, es ist jedoch ein relativ geeignetes Mittel um die kurzfristige
Effizienz (z. B. Routinetätigkeiten in der Produktion) zu steigern. Ein fort-
laufend kontrollierendes und beobachtendes Führungsverhalten (z. B. als
Vorarbeiter) wurde bereits im Zuge der Industrialisierung zur Steigerung der
organisationalen Effizienz angewandt (Taylorismus; z. B. Fließbandarbeit
in der Automobilbranche zu Beginn des 20. Jahrhunderts). Der Nachteil von
Kontrollsystemen liegt darin, dass sie die Autonomie und Selbstbestimmung
der Geführten einschränken. Hingegen vorteilhaft ist, dass sie die Unsicher-
heit, insbesondere in kritischen Situationen reduzieren. Wird aktives MBE
beispielsweise in einer Gefahrensituation eingesetzt, dann kann es sehr ange-
messen und effektiv sein. Aktives MBE ist ein Führungsverhalten, welches
in Kombination mit direktivem Führungsverhalten bei sehr unerfahrenen und
unmotivierten Geführten im Kontext von Routineaufgaben effektiv sein kann.
2. Passives Management-by-Exception (MBE) entspricht bereits einem sehr inak-
tiven Führungsverhalten. Die Führungskraft zieht sich weitgehend zurück und
handelt nur, wenn Probleme oder Fehler bereits aufgetreten sind. Sie zeigt ein
reaktives Führungsverhalten und nimmt die Rolle eines „Feuerlöschers“ ein.
Aktives MBE würde vorwegnehmen, dass sich möglicherweise ein „Feuer“
(= Problem, Fehler) entfachen könnte und setzt auf das Mittel der fortlaufen-
den Beobachtung und Kontrolle. Beim passiven MBE gibt die Führungskraft
weitgehend die Verantwortung für auftretende Fehler und Probleme an ihre
Geführten ab. Generell zeigt passives MBE negative Auswirkungen auf die
Geführten, welche nur ein geringes (affektives) Commitment gegenüber ihrer
Führungskraft entwickeln und eine geringe Arbeitszufriedenheit zeigen.
3. Das Laissez-faire-Führungsverhalten zählt zur inaktivsten und ineffektivsten
Form von Führung. Hierbei handelt es sich um die weitgehende Absenz von
Führung. In vielen Situationen ist es das destruktivste Führungsverhalten, wel-
ches gezeigt werden kann: Die Führungskraft ignoriert vollkommen ihre Füh-
rungsverantwortung, ist mit ihr vollkommen überfordert oder kann und will
nicht führen. Die Gründe für ein Laissez-faire-Führungsverhalten können viel-
fältig sein:
– Hohes Kontakt- und Anschlussmotiv: Die Laissez-faire-Führungskraft
versucht einen persönlichen und freundschaftlichen Kontakt mit ihren
Geführten aufzubauen (z. B. gemeinsame Aktivitäten am Abend und am
Wochenende). Sie möchte von ihren Geführten akzeptiert und integriert
werden. Deshalb scheut sie es, unangenehme Aufgaben zu delegieren oder
25
schwierige Entscheidungen durchzusetzen. Sie hat Angst davor, von ihren
Geführten zurückgewiesen zu werden (vgl. Furtner 2012b).
– Geringe Self-Leadership-Fähigkeiten: Eine Führungskraft, welche sich
nicht selbst motivieren und führen kann, hat es schwer, andere Menschen
zielorientiert zu beeinflussen und zu führen. Da sie selbst orientierungslos
ist, kann sie ihren Geführten auch nicht eine entsprechende Zielrichtung
vorgeben (Furtner et al. 2013).
– Machiavellistische Führung und berechnende Führungsmotivation: Einer
machiavellistischen Führungskraft mit einer hohen berechnenden Füh-
rungsmotivation geht es mehr um die Führungsposition an sich und dem
damit verbundenen Machtstatus, jedoch weniger darum, andere Menschen
effektiv zu führen. Die Führungsposition wird als Statussymbol angesehen,
welche Macht, Geld und Prestige verleiht. Im Vergleich zur narzisstischen
Führung liegt jedoch nur ein geringes intrinsisches Interesse an Führung
vor.
– Beförderung, Nachfolge, Vitamin B: Eine hoch leistungsmotivierte Fach-
kraft kann aus strategischen Gründen (z. B. Mitarbeiterbindung) oder
als Belohnung für ihre herausragenden Leistungen in eine Führungsposi-
tion aufsteigen. Als Führungskraft hat sie jedoch nur wenig Interesse, ihre
Geführten zielorientiert zu beeinflussen und Führungsverantwortung zu
übernehmen. Sie fokussiert sich möglicherweise weiterhin auf die Opti-
mierung und fortlaufende Verbesserung ihrer eigenen (fachbezogenen)
Leistung. Sie möchte weniger das „Führungspferd“, sondern weiterhin
das schnellste „Leistungspferd“ bleiben. Die Besetzung von Führungspo-
sitionen auf Basis von Nachfolgeregelungen (z. B. Familienunternehmen),
Beziehungen („Vitamin B“) oder strategischen Überlegungen (Positionie-
rung einer „schwachen“ Führungsperson zum Zwecke des eigenen Macht-
erhalts) könnten weitere Gründe für eine Laissez-faire-Führung sein.
Laissez-faire-Führungsverhalten zeigt sehr negative Auswirkungen auf die Leis-
tung und die Zufriedenheit der Geführten. Eine hohe Unzufriedenheit, Konflikte
und Spannungen führen zu mehr Fehlzeiten und einer höheren Fluktuation. Auf
Basis mikropolitischer Taktiken kann es zudem geschehen, dass die Geführten
ihre „schwache“ Führungskraft stürzen wollen. Eine Laissez-faire-Führungskraft
„überzeugt“ besonders durch ihre Führungsabwesenheit. Sie ist selten verfügbar,
vermeidet es an Meetings teilzunehmen, Entscheidungen zu treffen oder Prob-
leme zu lösen. Zudem ist sie wenig an Zielen und den damit verbundenen Leis-
tungsergebnissen interessiert.
3.6 Passiv-vermeidendes Führungsverhalten: Kontrolle und Nonleadership
26
3 Dynamische Mitarbeiterführung
Sowohl die Laissez-faire-Führung als auch Empowering Leadership gewähren
ihren Geführten eine hohe Autonomie. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass
sogar von einem schmalen Grat zwischen der Laissez-faire-Führung und Empo-
wering Leadership berichtet wird (Wong und Giessner, in press). Ähnlich wie bei
Empowering Leadership können Geführte mit hohen Self-Leadership-Fähigkeiten
unter einer Laissez-faire-Führungskraft die (fehlende) Führung zumindest zum
Teil ersetzen. Im Gegensatz zur Laissez-faire-Führung zielt ein ermächtigendes
Führungsverhalten darauf ab, die Self-Leadership-Fähigkeiten der Geführten zu
entwickeln. Zudem findet die effektive Fremdbeeinflussung auf einer sehr subti-
len Ebene statt. Das heißt, ermächtigendes Führungsverhalten verfolgt sehr wohl
eine zielorientierte Fremdbeeinflussung, welche bei der Laissez-faire-Führung
nicht beobachtet werden kann. Laissez-faire-Führungsverhalten kann bei hoch
qualifizierten, erfahrenen, motivierten und sich selbst führenden Personen durch-
aus für eine kurze Zeit „funktionieren“, ohne dass es großen Schaden anrichten
kann. Ein vermeidendes Führungsverhalten sollte jedoch keinesfalls zu einem
dauerhaften Zustand werden.
27
Konklusion
Dynamische Mitarbeiterführung zielt darauf ab, den Führungskräften eine „Ori-
entierungsgrundlage“ zu geben, welches Verhalten in der jeweiligen Führungs-
situation angemessen erscheint. Eine effektive Führungskraft zeigt nicht nur ein
einziges (rigides, starres) Führungsverhalten, sondern verfügt über eine breite
Palette unterschiedlicher Arten des Führungsverhaltens, welche aktiv, flexibel
und situationsangepasst eingesetzt werden können. Wie können Führungskräfte
für sich bewusst erkennen, in welcher Situation ein entsprechendes Führungsver-
halten angemessen ist? Mindfulness (Achtsamkeit) kann hierfür eine sehr wich-
tige Grundlage sein. Eine Führungskraft, welche jeden einzelnen Moment relativ
bewusst wahrnimmt (sich selbst und ihre Umwelt), kann entsprechend flexibel
ihr Verhalten anpassen. Die bewusste Erfahrung im gegenwärtigen Moment regt
sowohl ihre Reflexions- als auch Lernfähigkeit an. Die Führungskraft erkennt,
welches Führungsverhalten in der jeweiligen Situation angemessen ist und weiß,
welche Konsequenzen ein jeweiliges Führungsverhalten in sich birgt. Obwohl sie
ihr Führungsverhalten variiert, bleibt sie authentisch. Die Führungskraft iden-
tifiziert sich mit dem jeweiligen Führungsverhalten und setzt es in der entspre-
chenden Situation passend ein. Durch die bewusste Wahrnehmung eines jeden
einzelnen Moments im Führungsalltag gewinnt die Führungskraft sowohl an
Wissen, Macht und Kontrolle über sich selbst und ihre Umwelt. Dadurch findet
ein fortlaufendes Lernen der Führungskraft statt. Sie setzt zunehmend ein ent-
sprechend der Situation angemessenes Führungsverhalten ein. Mindfulness zeigt
zudem eine Vielzahl von positiven Nebeneffekten für die Führungskraft (z. B.
Steigerung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit, präventive Wir-
kung bei Depression, Burn-out und Stress).
Eine achtsame Führungskraft hat den Vorteil, dass sie bestimmte Situationen
rasch und angemessen einschätzen kann. In der nachfolgenden Tab. 4.1 werden
4
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017
M. Furtner, Dynamische Mitarbeiterführung, essentials,
DOI 10.1007/978-3-658-17195-7_4
28
4 Konklusion
Tab. 4.1 Führungsverhalten an situative Bedingungen anpassen
Führungsver-
halten
Art der Macht
Situative
Umstände/Fokus
Aufgaben
Geführte
Direktiv
Position/Auto-
rität
Befehle
Bestrafung
Kurzfristige Ziele
Hohe Dringlich-
keit und hohes
Risiko
Effizienz
Unstrukturiert
Geringe Kreativi-
tät/Innovation
Hohe Abhängig-
keit
Geringe Motiva-
tion
Geringe Erfahrun-
gen und Kompe-
tenzen
Geringes Entwick-
lungspotenzial
Kontrollie-
rend (aktives
MBE)
Position/Auto-
rität
Anweisungen
Kontrolle
Kurzfristige Ziele
Mittlere bis hohe
Dringlichkeit
Effizienz
Strukturiert
Routinetätigkeit
Hohe Abhängig-
keit
Geringe Motiva-
tion
Geringe Erfahrun-
gen und Kompe-
tenzen
Geringes Entwick-
lungspotenzial
Aversiv
Position/Auto-
rität
Drohung
Bestrafung
Kurzfristige Ziele
Hohe Dringlich-
keit
Hohe Abhängig-
keit
Geringe Motiva-
tion
Niedrige Leistung
Transaktional Position/Auto-
rität
Belohnung
Mittelfristige
Ziele
Mittlere Dring-
lichkeit
Strukturiert
Klare Ziele
(quantifizierbar)
Geringe Kreativi-
tät/Innovation
Hohe Abhängig-
keit
Geringe bis mitt-
lere Motivation
Transforma-
tional
Inspiration
Beziehung
Krisen, hohe
Dringlichkeit
Kurz-, mittel-,
und langfristige
Ziele
Unstrukturiert
Mittlere bis hohe
Kreativität/Inno-
vation
Mittlere bis hohe
Abhängigkeit
Förderung der
intrinsischen Moti-
vation
Außergewöhnliche
Leistung
Hohes Potenzial
(Fähigkeiten,
Kompetenzen)
Hohes Entwick-
lungspotenzial
(Fortsetzung)
29
4 Konklusion
die unterschiedlichen Arten des Führungsverhaltens dargestellt, mit Ausnahme
der beiden passivsten und ineffektivsten Formen von Führungsverhalten (passives
MBE und Laissez-faire), bei welchen es sich nicht mehr um Führung im eigentli-
chen Sinne handelt (= zielorientierte Fremdbeeinflussung).
Aufgabenbezogen/autoritär (Gruppe 1)
Direktives, kontrollierendes (aktives MBE) und aversives Führungsverhalten
repräsentieren die erste Gruppe: Sie nutzen alle sehr stark die Positionsmacht der
Führungskraft, sind auf kurzfristige (dringliche) Ziele und auf maximale Effi-
zienzsteigerung ausgerichtet. Sie nutzen das motivationale Antriebsmittel der
Furcht. Anweisungen, Befehle, Kontrolle, Drohung und Bestrafung sind jene
Mittel, welche zentral in dieser Gruppe angewendet werden. Die Fähigkeiten,
Kompetenzen, Erfahrungen sowie das Entwicklungspotenzial der Geführten sind
relativ gering ausgeprägt. Gruppe 1 fördert wenig die langfristige und nachhal-
tige Entwicklung der Mitarbeiter und legt nur einen geringen Fokus auf die Ent-
wicklung von Kreativität und Innovation. Es muss darauf verwiesen werden, dass
eine situativ angemessene Anwendung der ersten Gruppe kurzfristig effektiv sein
kann. Beispielsweise konnten Lorinkova et al. (2013) belegen, dass direktives
Führungsverhalten im Vergleich zu Empowering Leadership kurzfristig zu höhe-
ren Teamleistungen führt. Mittel- und langfristig zeigten die Teams unter einem
ermächtigenden Führungsverhalten jedoch die höheren Leistungen. Dauerhaft
angewandt kann ein Führungsverhalten aus der ersten Gruppe negative Konse-
quenzen auf die Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung ausüben. Erhöhte Kran-
kenstände und Kündigungen können die Folge sein.
Tab. 4.1 (Fortsetzung)
Führungsver-
halten
Art der Macht
Situative
Umstände/Fokus
Aufgaben
Geführte
Ermächtigend Geteilte Macht
Self-Leadership
Geringe Dring-
lichkeit
Mittel- bis lang-
fristige Ziele
Autonomie
Kreativität/Inno-
vation
Unstrukturiert
Hohe Kreativität
und Innovation
Geringe Abhän-
gigkeit
Förderung der
intrinsischen Moti-
vation
Außergewöhnliche
Leistung
Hoch qualifiziert
und erfahren
Nachhaltige Ent-
wicklung
30
4 Konklusion
Aufgabenbezogen/transaktional (Gruppe 2)
Transaktionales Führungsverhalten (Contingent Reward) nutzt die Positions-,
die Belohnungs- und im reduzierten Maße die Bestrafungsmacht. Mittelfristige
Ziele (z. B. Quartals-, Jahresziele) stehen im Vordergrund, welche gut quantifi-
ziert werden können. Contingent Reward eignet sich bei strukturierten Aufgaben
mit klaren Zielen und fördert die extrinsische Motivation der Geführten. Eine
langfristige Entwicklung der Geführten steht ebenso wenig im Vordergrund wie
die Förderung von Kreativität und Innovation. Die ersten beiden Gruppen haben
gemeinsam, dass ein stärker aufgabenbezogenes Führungsverhalten im Vor-
dergrund steht. Die Führungsforschung zeigt, dass Contingent Reward zudem
Beziehungen zur dritten Gruppe (insbesondere zur transformationalen Führung)
aufweist (Furtner und Baldegger 2016).
Mitarbeiterbezogen/demokratisch (Gruppe 3)
Transformationales und ermächtigendes Führungsverhalten repräsentieren die
dritte Gruppe. Sie fokussieren sich auf ein mitarbeiterorientiertes Führungsverhal-
ten. Während die transformationale Führung mittels Visionen und Inspiration ihre
Geführten beeinflusst und zugleich auf deren Bedürfnisse eingeht, fokussiert sich
Empowering Leadership auf die Autonomie und die Selbstentwicklung von hoch
qualifizierten und erfahrenen Geführten. Transformationales Führungsverhal-
ten ist besonders in Krisensituationen geeignet, wenn ein starkes Bedürfnis nach
Sicherheit und Veränderung besteht. Es kann bei den Geführten eine neue Begeis-
terung entfachen und zu außergewöhnlichen Leistungen führen. Ein ermächti-
gendes Führungsverhalten teilt sich die Macht, das Wissen und die Kontrolle mit
den Geführten. Eine hohe Autonomie wird gewährt und der Fokus liegt klar auf
der Entwicklung der Self-Leadership-Fähigkeiten der Geführten. Empowering
Leadership bietet sich an, wenn sowohl die Kreativität, Innovation und Leistung
bei hoch qualifizierten Geführten gefördert werden sollen und langfristige Ziele
sowie eine nachhaltige Entwicklung der Mitarbeiter im Vordergrund stehen.
Welche Strategie sollen Führungskräfte verfolgen, um ein situationsadäqua-
tes Führungsverhalten zu zeigen? Sims et al. (2009) beschreiben fünf zentrale
Schritte, welche eine Führungskraft anwenden kann, um ein passendes Führungs-
verhalten zu zeigen:
1. Führungsziele identifizieren: Welche Ziele verfolgen die Führungskraft und
die Organisation?
2. Geeignetes Führungsverhalten auswählen: Die Führungskraft wählt ein Füh-
rungsverhalten aus, welches passend zur jeweiligen Situation eingesetzt wer-
den kann.
31
4 Konklusion
3. Situative Bedingungen erkennen: Beispielsweise Dynamik der Branche,
Dringlichkeit der Aufgabenbearbeitung und Zusammensetzung des Teams
(Erfahrungen, Kompetenzen).
4. Führungsverhalten an situative Bedingungen anpassen: Beispielsweise kann
ein direktives Führungsverhalten bei wenig erfahrenen Mitarbeitern in sehr
dringlichen Situationen oder ein ermächtigendes Führungsverhalten bei erfah-
renen Mitarbeitern in weniger dringlichen Situationen angewendet werden.
5. Wie kann das Führungsverhalten an situative Bedingungen angepasst werden?
Entweder die Führungskraft kann ihr Führungsverhalten an die entsprechende
Situation anpassen oder eine andere Führungskraft mit einem passenderen
Führungsverhalten übernimmt die Führungsrolle.
Bekannte situative Führungsansätze der vergangenen Jahrzehnte wurden stark
dafür kritisiert, dass sie zu intuitiv und zu wenig theoretisch fundiert sind. Zudem
konnten sie kaum in empirischen Studien bestätigt werden. Empirische Belege für
situative Elemente der Führung sind für Podsakoff et al. (1995) wie die Suche nach
der berühmten Stecknadel im Heuhaufen. Dynamische Mitarbeiterführung verlangt
eine aktive, achtsame und flexible Führungskraft, um in verschiedenen Situatio-
nen ein angemessenes Führungsverhalten zu zeigen. Gruppe 1 beschreibt mit dem
direktiven, kontrollierenden (aktives MBE) und aversiven Führungsverhalten ein
stärker aufgabenbezogenes und autoritäres (autokratisches; Lewin et al. 1939) Füh-
rungsverhalten, welches sich auf kurzfristige und dringliche Ziele fokussiert und
auf Geführte, deren Motivation und Erfahrung gering ausgeprägt sind. Transakti-
onales Führungsverhalten (Contingent Reward) repräsentiert ebenfalls ein stärker
aufgabenbezogenes Führungsverhalten, welches sich besonders auf mittelfristige
Ziele fokussiert und die extrinsische Motivation der Geführten anregt. Gruppe 3
repräsentiert mit dem transformationalen und ermächtigenden Führungsverhal-
ten ein stärker mitarbeiterbezogenes und demokratisches (Lewin et al. 1939)
Führungsverhalten. Beide Arten des Führungsverhaltens gewähren ihren Mitar-
beitern ein höheres Ausmaß an Vertrauen und regen besonders das Commitment,
die intrinsische Motivation und die Leistung der Geführten an. Transformationa-
les Führungsverhalten ist in Krisenzeiten sehr effektiv und kann sich sowohl auf
kurz-, mittel- und langfristige Ziele fokussieren. Das ermächtigende Führungsver-
halten bietet sich für langfristige Ziele und eine nachhaltige Selbstentwicklung der
Geführten an. Insbesondere hoch qualifizierte, kompetente und erfahrene Geführte
profitieren von einer hohen Autonomie. Ein ermächtigendes Führungsverhalten
zielt darauf ab, die geeigneten autonomen Rahmenbedingungen zu schaffen sowie
die Selbstentwicklung (Self-Leadership-Fähigkeiten) der Geführten zu fördern, um
ein kreatives, innovatives und leistungsorientiertes Umfeld zu formen.
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© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017
M. Furtner, Dynamische Mitarbeiterführung, essentials,
DOI 10.1007/978-3-658-17195-7
• In der Führungsrealität existiert kein „bestes“ Führungsverhalten, welches
über alle Situationen hinweg effektiv ist
• Führungseffektivität ist im hohen Ausmaß von der Situation abhängig
• Dynamische Mitarbeiterführung beschreibt einen situativen Führungsansatz,
welcher die Vorzüge verschiedener Arten von Führungsverhalten für die jewei-
lige Führungssituation beschreibt
• Führungskräfte sollten ihr Führungsverhalten flexibel an bestimmte Situatio-
nen anpassen
• Mindfulness ist eine zentrale Basis für die dynamische Mitarbeiterführung
• Achtsame Führungskräfte sind sich ihrer selbst, ihrer Geführten sowie ihrer
Umwelt bewusst und zeigen ein authentisches Führungsverhalten
• Direktives, kontrollierendes (aktives MBE) und aversives Führungsverhal-
ten eignen sich bei dringlichen Zielen und wenig erfahrenen oder motivierten
Geführten. Diese aufgabenbezogenen und autoritären Formen von Führungs-
verhalten nutzen die Positions- und Bestrafungsmacht, um kurzfristig die Effi-
zienz zu steigern
• Transaktionales Führungsverhalten (Contingent Reward) ist ebenfalls stärker
aufgabenbezogen und nutzt die Positions- und Belohnungsmacht. Es eignet
sich bei klaren mittelfristigen Zielen und strukturierten Aufgaben
• Transformationales und ermächtigendes Führungsverhalten sind stärker mitar-
beiterbezogen und zudem kreativitäts- und innovationsförderlich
• Transformationales Führungsverhalten ist in Krisenzeiten sehr effektiv und
beeinflusst die Geführten mittels Visionen, Inspiration und Charisma
Was Sie aus diesem essential mitnehmen
können
34
Was Sie aus diesem essential mitnehmen können
• Die ermächtigende Führung eignet sich bei hoch qualifizierten, erfahrenen und
motivierten Mitarbeitern. Die Autonomie und Selbstentwicklung der Geführ-
ten stehen im Vordergrund
• Passives MBE und Laissez-faire-Führungsverhalten repräsentieren zwei sehr
ineffektive Formen von Führungsverhalten. Sie sollten in jeglicher Situation
vermieden werden
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M. Furtner, Dynamische Mitarbeiterführung, essentials,
DOI 10.1007/978-3-658-17195-7
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